Am Ende des Tages

Ich befinde mich gerade am Ende des Tages, d.h. mein Tagwerk ist beendet, es ist Abend und draußen ist dunkle Nacht.. Und mir fällt wieder ein Beispiel ein, das ich schon länger thematisieren wollte.

Haben Sie schon mal bemerkt, daß sich die Floskel „Am Ende des Tages“ seit einiger Zeit ungeheurer Beliebtheit erfreut? Beispiel: Was nützt  der günstigste Preis, wenn am Ende des Tages die Qualität entscheidet? Hier ist nicht das wirkliche Ende des Tages, der Abend, gemeint.

„Weißt Du, was das soll?“, fragte mich neulich ein sprachinteressierter Zeitgenosse. Ja, habe ich gerade in „Die Phrasendrescher“ gelesen, antwortete ich. Ist Business-Deutsch, soll letztendlich, letzten Endes oder schließlich heißen, ist wieder mal eine wörtliche englische Übersetzung (von at the end of the  day), soll offenbar besonders schick klingen und ist in Manager- und  Wichtigtuerkreisen besonders beliebt..:-)

Markus Reiter schreibt in „Die Phrasendrescher“:

„Wir prüfen noch. Wir werden aber am Ende des Tages auf Sie zurückkommen“. Ich wartete den ganzen Abend vergeblich auf einen Anruf. Die Sonne war lange untergegangen, der Deutschlandfunk spielte die Nationalhymne, dann die Europahymne. Kein Anruf. Es war also nix mit „Am Ende des Tages“. Kein Wunder, denn „Am Ende des Tages“ meinte gar nicht den Abend, sondern ist eine direkte Übersetzung der Redewendung „At the end of the day“. Die steht für „letzlich“ oder „am Ende“. Wörtlich ins Deutsche übertragen, löst diese Redewendung Verwirrung aus. 

Hier noch ein paar Links zum Thema:

sprachen-blog.de/at-the-end-of-the-day-am-ende-des-tages/
scilogs.spektrum.de/sprachlog/am-ende-des-tages-neufassung/
www.zeit.de/2010/01/Managerreden

Das macht was mit dir

Gerade kam mir eine Online-Werbung für ein Wissensmagazin unter.
Unter einem Werbefilm prangt der Name des Magazins und darunter die Floskel
Das macht was mit Dir… “ Ah ja. Was denn?
Wenn man auf die Anzeige klickt, erhält man die Info:

Starte jetzt dein xx-Abo mit einer Gratis-Ausgabe – danach jederzeit kündbar!

Aha. Jetzt weiß ich, was das mit einem macht: Nach Erhalt der Gratisausgabe vergißt man garantiert die Kündigung und hat ein Abo an der Backe, das man nicht braucht.
🙂

Was macht das mit Dir? oder auch „Wie geht es Dir damit?“ Diese Art Floskel gehört zu einem besonderen Jargon, den ich Psychojargon oder auch Gouvernantensprache getauft habe. Weitere Beispiele folgen in loser Folge, ich freue mich schon :-).

Kommunizieren

Neuerdings – gefühlt schon ziemlich lange  – ist Kommunizieren ein einseitiger Vorgang. Man hört und liest ständig: Das muß (besser) kommuniziert werden… Offenbar hört sich das irgendwie (ge)wichtiger an als einfach nur: darüber muß informiert werden oder das muß den Leuten mitgeteilt, nahegebracht oder gesagt werden. Man könnte auch sagen, etwas sollte publiziert oder nach außen gegeben oder darüber sollte diskutiert werden. Auch Informationen weiterreichen oder weitergeben wäre möglich, ebenso wie einen Diskussionsprozeß in Gang setzen. So viele sprachliche Möglichkeiten und Varianten … Warum dann immer nur das falsche und zudem noch undeutliche kommunizieren? Vielleicht schon eine Art Neusprech? …

Kommunizieren ist für mich immer noch ein gegenseitiger Vorgang und nicht ein einseitiger (lateinisch communicare = gemeinschaftlich tun). Man kann nicht einem Gegenüber etwas kommunizieren, sondern nur mit ihm gemeinsam kommunizieren oder aber ihm etwas mitteilen oder ihn informieren.. Offenbar spielt das englische to communicate hier eine Rolle. Das kann auf Deutsch „mitteilen“ aber auch „kommunizieren“ bedeuten. „Kommunizieren“ im Deutschen ist immer gegenseitig, aber nunmehr kommt kommunizieren auch wie das englische communicate im Sinne von mitteilen daher und wird damit zu einem einseitigen Vorgang.

Es muß besser kommuniziert werden. Klar, damit bin ich einverstanden (Neudeutsch: „Da bin ich ganz bei Ihnen“). Aber nur in dem Sinne, daß das (gemeinsame) Kommunízieren bzw. die Kommunikation besser werden muß :-). Zum Beispiel weniger Mails schreiben und mal wieder mündlich kommunizieren? Dann gibt es vielleicht auch weniger Mißverständnisse. Das hätte doch was. Ich glaube, man könnte sich fast zu der Feststellung hinreißen lassen, daß wir in einer Zeit mit den besten Kommunikationsmitteln, aber der schlechtesten Kommunikation leben.

Hier hat sich jemand noch intensivere Gedanken darüber gemacht und liefert eine geschliffene grammatikalische Analyse :-)… Zitat:

„Kommunizieren“ ist ein intransitives Verb und kann daher nicht mit einem Akkusativobjekt verbunden werden. Daher ist es standardsprachlich nicht  möglich, „Sachverhalte zu kommunizieren“.

„Kommunizieren“ wird im Allgemeinen mit der Präposition „mit“ gebraucht.

         Ich kommuniziere mit Ihnen.
         Sie kommunizieren (miteinander).

„Kommunizieren“ bedeutet ’sich unterhalten‘, ‚miteinander sprechen‘. In der Regel benutzt man nur das Wort „kommunizieren“, ohne näher zu erläutern, über was gesprochen wird. Wollte man „kommunizieren“ dennoch – was eher unüblich ist – mit dem Inhalt der Kommunikation verbinden, so wäre dafür die Präposition „über“ am ehesten geeignet.

         mit jemandem über etwas kommunizieren
         Wir kommunizieren mit unseren Kunden über XY.

Besser ist es jedoch, diese Formulierung durch Verwendung eines anderen Verbes zu umgehen.

         mit jemandem über etwas diskutieren
         mit jemandem etwas besprechen

Hm, damit ist das Thema wohl erschöpfend behandelt und erklärt…:-)

Alle machen gute Jobs

Im Provinzblättchen liest man es, und oft kommt es aus dem Munde derjenigen, die sich besonders gerne mit Phrasen aller Art schmücken 😉

Er/Sie hat einen guten Job gemacht

Diese Redewendung gibt es im Deutschen gar nicht.  Es ist wieder mal eine schlampige Übersetzung des englischen: „to do a good job„.  Die richtige Übersetzung dafür ist, er hat seine Sache gut gemacht, er hat die Aufgabe gut bewältigt oder schlicht: es wurde gut gearbeitet. Scheint so, als seien die deutschen Ausdrücke aus der Mode gekommen (es gut machen, sich bewähren, gut arbeiten, erfolgreich sein, Erfolg haben, Lob verdienen, gute Arbeit leisten, seine Sache gut machen oder etwas gut bewältigt haben).

Offenbar machen nicht nur ganze Belegschaften, Ärzte,  Handwerker oder Praktikanten einen guten Job, sondern mittlerweile auch ganze Länder, so konnte man schon lesen „Dänemark hat einen guten Job gemacht“.

Tja, alle machen gute Jobs. Da fragt man sich bloß, wo sind die alle hin? Trotz der unzähligen guten Jobs, die gemacht werden, werden die doch immer rarer?
„Da hat wohl jemand seinen Job nicht gut gemacht“, meint Markus Reiter in „Die Phrasendrescher„.

Einmal mehr..

Gerade wieder gelesen: Hier zeigt sich einmal mehr, daß…

Einmal mehr“ ist wieder einmal (nicht einmal mehr) Kauderwelsch ;-).

Und wieder einmal ist es ein verkappter Anglizismus und eine falsche Übersetzung ins Deutsche, diesmal von „once more“. Liebe Schreiberlinge, es gibt reichlich Auswahl an passenden und schöneren Worten, wie z.B.: wieder einmal, ein weiteres Mal, schon wieder, mal wieder, erneut oder abermals. 

„Mehr“ ist ein unzählbares Mengenwort („mehr Wasser“, „mehr Geld“), man kann es nicht mit der Zahl eins malnehmen“, erklärt Bastian Sick in seiner Zwiebelfisch-Kolumne und gibt folgenden Beispielsatz:

Der Satz „Johannes wollte einmal mehr Geld verdienen“ ist nur dann richtig, wenn er bedeutet, daß Johannes eines Tages mehr Geld zu verdienen hoffte, nicht aber, daß er wieder einmal Geld verdienen wollte.

Mir fällt auch noch einer ein:

Nicht einmal mehr in anspruchsvolleren Texten ist man vor Sprachmüll sicher.
😉 😉

Realisier‘ doch mal…

Haben Sie schon realisiert, daß unsere Sprache durchsetzt ist mit verkappten Anglizismen und daß sich in diesem Satz dazu ein Fehler befindet, der immer weiter um sich greift? Alle Welt schreibt oder sagt dauernd „Realisieren“, wenn eigentlich „Erkennen“ oder „Bemerken“ gemeint ist.. warum bloß? Richtig müßte es heißen, haben Sie schon erkannt oder bemerkt oder sich klargemacht, daß…

To realize heißt auf Englisch „erkennen/sich klarmachen“, nicht aber auf Deutsch.
Im Deutschen ist realisieren ein Synonym für „verwirklichen“. Punktum.

Sätze, in denen „realisieren“ vorkommt, verlangsamen die Lesegeschwindigkeit (zumindest meine), meist muß ich zweimal lesen, um zu erkennen (nicht zu realisieren), wie denn realisieren nun schon wieder gebraucht wird: im Sinne von verwirklichen oder erkennen …

Na, schwirrt der Kopf? 😉

Ich realisiere gerade ein Projekt: Ich sammle Sprachmüll und mache Sprachglossen daraus…  🙂

Gender-Gaga: MitgliederInnen

Gestern erhielt ich eine  Mail mit der Anrede: Liebe GruppenmitgliederInnen,
und ich dachte, mei, da hat jetzt aber jemand diesen ganzen Genderkram so richtig auf’s Korn genommen.

Auf meine Frage, ob die Anrede Satire sein soll, erhielt ich immerhin die Auskunft, daß ich mir das aussuchen könne. Ich hab’s mir ausgesucht: Satire!

Warum bloß glauben einige ganz Eifrige, daß – sobald ein Wort auf -er endet, dieses irgendwie männlich ist und auf Teufel komm raus verweiblicht werden muß? DAS Mitglied ist sächlich und umfaßt sowohl Männlein als auch Weiblein.
Es gibt nicht die Mitgliederin, sondern nur DAS Mitglied. Die Mehrzahl sind doch einfach Mitglieder, völlig unabhängig vom Geschlecht … Und dann noch das große „I“ – oje…

Pardon, das mußte jetzt sein 🙂

Die Serie „Sprachmüll“ … äh Sprachglossen ist hiermit eröffnet.. Fortsetzung folgt..