Störtebekers Versteck

Die heutige Geburtstagstour führte zum Hemmelsdorfer See – der „Hermann-Löns-Blick“ lohnt sich auch bei bedecktem Wetter. Im See befindet sich die tiefste Stelle Deutschlands. Das Naturschutzgebiet drumherum strotzte nur so vor morbidem Charme… Störtebeker soll hier in der nahegelegenen Räuberkuhle seine Beute versteckt haben als der See noch Teil der Ostsee war. Diese Räuberkuhle haben wir natürlich auch aufgespürt. Wir waren nicht sicher, ob der Begriff nicht vielleicht unkorrekt ist – vielleicht müßte es jetzt Räuberinnen- und Räuberkuhle heißen oder gar RäuberInnenkuhle  😆 Oder gab es etwa nie weibliche Piratinnen? 😛

In Niendorf an der Hafenbar stand der Glühwein für die kommende Wintersaison schon dekorativ drapiert auf der Mauer bereit, auch der Erdbeerhof in Warnsdorf war sehenswert – ein echtes Konsum- und Verführparadies. Auf dem Rückweg folgte noch ein Abstecher nach Travemünde.

P1080891

P1080898

P1080904P1080923

 

 

 

 

Advertisements

Der Maulwurf

Die Maulwurfshügel im Vorgarten summieren sich aktuell auf fast 80.

Hinten und bei meiner Nachbarin ist kein einziger. Ich find’s lustig. Zudem kann man den Sand prima als Blumenerde und zum Sandstreuen bei Glätte verwenden. Man muß nur aufpassen, daß er nicht hartfriert 🙂

Zum Thema Maulwurf leiste ich auch noch einen kulturellen Beitrag – wieder mal von Wilhelm Busch. :-). Der Kerl hat ganz schön brutale Gedichte geschrieben.

Aus diesem Gedicht stammt übrigens auch der berühmte Spruch:

„Musik wird oft nicht schön gefunden,
Weil sie stets mit Geräusch verbunden“.

Nun zum Gedicht:

Der Maulwurf:

In seinem Garten freudevoll
Geht hier ein Gärtner namens Knoll.

Doch seine Freudigkeit vergeht,
Ein Maulwurf wühlt im Pflanzenbeet.

Schnell eilt er fort und holt die Hacke,
Daß er den schwarzen Wühler packe.

Jetzt ist vor allem an der Zeit
Die listige Verschwiegenheit.

Aha! Schon hebt sich was im Beet,
Und Knoll erhebt sein Jagdgerät.

Schwupp! Da – und Knoll verfehlt das Ziel.
Die Hacke trennt sich von dem Stiel.

Das Instrument ist schnell geheilt;
Ein Nagel wird hineingekeilt.

Und wieder steht er ernst und krumm
Und schaut nach keiner Seite um.

Klabumm! – So krieg die Schwerenot! –
Der Nachbar schießt die Spatzen tot.

Doch immerhin und einerlei!
Ein Flintenschuß ist schnell vorbei.

Schon wieder wühlt das Ungetier.
Wart! denkt sich Knoll. Jetzt kommen wir.

Er schwingt die Hacke voller Hast –
Radatsch! – O schöner Birnenast!

Die Hacke ärgert ihn doch sehr,
Drum holt er jetzt den Spaten her.

Nun, Alter, sei gescheit und weise
Und mache leise, leise, leise!

Schnarräng! – Da tönt ihm in das Ohr
Ein Bettelmusikantenchor.

Musik wird oft nicht schön gefunden,
Weil sie stets mit Geräusch verbunden.

Kaum ist’s vorbei mit dem Trara,
So ist der Wühler wieder da.

Schnupp! dringt die Schaufel wie der Blitz
Dem Maulwurf unter seinen Sitz.

Und mit Hurra in einem Bogen
Wird er herauf ans Licht gezogen.

Aujau! Man setzt sich in den Rechen
Voll spitzer Stacheln, welche stechen.

Und Knoll zieht für den Augenblick
Sich schmerzlich in sich selbst zurück.

Schon hat der Maulwurf sich derweil
Ein Loch gescharrt in Angst und Eil.

Doch Knoll, der sich emporgerafft,
Beraubt ihn seiner Lebenskraft.

Da liegt der schwarze Bösewicht
Und wühlte gern und kann doch nicht;
Denn hinderlich, wie überall,
Ist hier der eigne Todesfall.

Hier gibt es noch die Illustrationen zum Gedicht.

🙂

Update: Meine Nachbarin hat mir vor ein paar Tagen verraten, daß sie Teile des Grundstückes mit irgendwelchen speziellen Stoffbahnen, einer sog. Maulwurfsperre abgesichert hat, die den Maulwurf hindern, zu ihr aufs Grundstück zu kommen. Kein Wunder, daß die alle bei mir sind. :-).

Am Ende des Tages

Ich befinde mich gerade am Ende des Tages, d.h. mein Tagwerk ist beendet, es ist Abend und draußen ist dunkle Nacht.. Und mir fällt wieder ein Beispiel ein, das ich schon länger thematisieren wollte.

Haben Sie schon mal bemerkt, daß sich die Floskel „Am Ende des Tages“ seit einiger Zeit ungeheurer Beliebtheit erfreut? Beispiel: Was nützt  der günstigste Preis, wenn am Ende des Tages die Qualität entscheidet? Hier ist nicht das wirkliche Ende des Tages, der Abend, gemeint.

„Weißt Du, was das soll?“, fragte mich neulich ein sprachinteressierter Zeitgenosse. Ja, habe ich gerade in „Die Phrasendrescher“ gelesen, antwortete ich. Ist Business-Deutsch, soll letztendlich, letzten Endes oder schließlich heißen, ist wieder mal eine wörtliche englische Übersetzung (von at the end of the  day), soll offenbar besonders schick klingen und ist in Manager- und  Wichtigtuerkreisen besonders beliebt..:-)

Markus Reiter schreibt in „Die Phrasendrescher“:

„Wir prüfen noch. Wir werden aber am Ende des Tages auf Sie zurückkommen“. Ich wartete den ganzen Abend vergeblich auf einen Anruf. Die Sonne war lange untergegangen, der Deutschlandfunk spielte die Nationalhymne, dann die Europahymne. Kein Anruf. Es war also nix mit „Am Ende des Tages“. Kein Wunder, denn „Am Ende des Tages“ meinte gar nicht den Abend, sondern ist eine direkte Übersetzung der Redewendung „At the end of the day“. Die steht für „letzlich“ oder „am Ende“. Wörtlich ins Deutsche übertragen, löst diese Redewendung Verwirrung aus. 

Hier noch ein paar Links zum Thema:

sprachen-blog.de/at-the-end-of-the-day-am-ende-des-tages/
scilogs.spektrum.de/sprachlog/am-ende-des-tages-neufassung/
www.zeit.de/2010/01/Managerreden

Das macht was mit dir

Gerade kam mir eine Online-Werbung für ein Wissensmagazin unter.
Unter einem Werbefilm prangt der Name des Magazins und darunter die Floskel
Das macht was mit Dir… “ Ah ja. Was denn?
Wenn man auf die Anzeige klickt, erhält man die Info:

Starte jetzt dein xx-Abo mit einer Gratis-Ausgabe – danach jederzeit kündbar!

Aha. Jetzt weiß ich, was das mit einem macht: Nach Erhalt der Gratisausgabe vergißt man garantiert die Kündigung und hat ein Abo an der Backe, das man nicht braucht.
🙂

Was macht das mit Dir? oder auch „Wie geht es Dir damit?“ Diese Art Floskel gehört zu einem besonderen Jargon, den ich Psychojargon oder auch Gouvernantensprache getauft habe. Weitere Beispiele folgen in loser Folge, ich freue mich schon :-).

Kommunizieren

Neuerdings – gefühlt schon ziemlich lange  – ist Kommunizieren ein einseitiger Vorgang. Man hört und liest ständig: Das muß (besser) kommuniziert werden… Offenbar hört sich das irgendwie (ge)wichtiger an als einfach nur: darüber muß informiert werden oder das muß den Leuten mitgeteilt, nahegebracht oder gesagt werden. Man könnte auch sagen, etwas sollte publiziert oder nach außen gegeben oder darüber sollte diskutiert werden. Auch Informationen weiterreichen oder weitergeben wäre möglich, ebenso wie einen Diskussionsprozeß in Gang setzen. So viele sprachliche Möglichkeiten und Varianten … Warum dann immer nur das falsche und zudem noch undeutliche kommunizieren? Vielleicht schon eine Art Neusprech? …

Kommunizieren ist für mich immer noch ein gegenseitiger Vorgang und nicht ein einseitiger (lateinisch communicare = gemeinschaftlich tun). Man kann nicht einem Gegenüber etwas kommunizieren, sondern nur mit ihm gemeinsam kommunizieren oder aber ihm etwas mitteilen oder ihn informieren.. Offenbar spielt das englische to communicate hier eine Rolle. Das kann auf Deutsch „mitteilen“ aber auch „kommunizieren“ bedeuten. „Kommunizieren“ im Deutschen ist immer gegenseitig, aber nunmehr kommt kommunizieren auch wie das englische communicate im Sinne von mitteilen daher und wird damit zu einem einseitigen Vorgang.

Es muß besser kommuniziert werden. Klar, damit bin ich einverstanden (Neudeutsch: „Da bin ich ganz bei Ihnen“). Aber nur in dem Sinne, daß das (gemeinsame) Kommunízieren bzw. die Kommunikation besser werden muß :-). Zum Beispiel weniger Mails schreiben und mal wieder mündlich kommunizieren? Dann gibt es vielleicht auch weniger Mißverständnisse. Wir leben offenbar in einer Zeit mit den besten Kommunikationsmitteln, aber der schlechtesten Kommunikation.

Hier hat sich jemand noch intensivere Gedanken darüber gemacht und liefert eine geschliffene grammatikalische Analyse :-)… Zitat:

„Kommunizieren“ ist ein intransitives Verb und kann daher nicht mit einem Akkusativobjekt verbunden werden. Daher ist es standardsprachlich nicht  möglich, „Sachverhalte zu kommunizieren“.

„Kommunizieren“ wird im Allgemeinen mit der Präposition „mit“ gebraucht.

         Ich kommuniziere mit Ihnen.
         Sie kommunizieren (miteinander).

„Kommunizieren“ bedeutet ’sich unterhalten‘, ‚miteinander sprechen‘. In der Regel benutzt man nur das Wort „kommunizieren“, ohne näher zu erläutern, über was gesprochen wird. Wollte man „kommunizieren“ dennoch – was eher unüblich ist – mit dem Inhalt der Kommunikation verbinden, so wäre dafür die Präposition „über“ am ehesten geeignet.

         mit jemandem über etwas kommunizieren
         Wir kommunizieren mit unseren Kunden über XY.

Besser ist es jedoch, diese Formulierung durch Verwendung eines anderen Verbes zu umgehen.

         mit jemandem über etwas diskutieren
         mit jemandem etwas besprechen

Hm, damit ist das Thema wohl erschöpfend behandelt und erklärt…:-)

Alle machen gute Jobs

Im Provinzblättchen liest man es, und oft kommt es aus dem Munde derjenigen, die sich besonders gerne mit Phrasen aller Art schmücken 😉

Er/Sie hat einen guten Job gemacht

Diese Redewendung gibt es im Deutschen gar nicht.  Es ist wieder mal eine schlampige Übersetzung des englischen: „to do a good job„.  Die richtige Übersetzung dafür ist, er hat seine Sache gut gemacht, er hat die Aufgabe gut bewältigt oder schlicht: es wurde gut gearbeitet. Scheint so, als seien die deutschen Ausdrücke aus der Mode gekommen (es gut machen, sich bewähren, gut arbeiten, erfolgreich sein, Erfolg haben, Lob verdienen, gute Arbeit leisten, seine Sache gut machen oder etwas gut bewältigt haben).

Offenbar machen nicht nur ganze Belegschaften, Ärzte,  Handwerker oder Praktikanten einen guten Job, sondern mittlerweile auch ganze Länder, so konnte man schon lesen „Dänemark hat einen guten Job gemacht“.

Tja, alle machen gute Jobs. Da fragt man sich bloß, wo sind die alle hin? Trotz der unzähligen guten Jobs, die gemacht werden, werden die doch immer rarer?
„Da hat wohl jemand seinen Job nicht gut gemacht“, meint Markus Reiter in „Die Phrasendrescher„.

Einmal mehr..

Gerade wieder gelesen: Hier zeigt sich einmal mehr, daß…

Einmal mehr“ ist wieder einmal (nicht einmal mehr) Kauderwelsch ;-).

Und wieder einmal ist es ein verkappter Anglizismus und eine falsche Übersetzung ins Deutsche, diesmal von „once more“. Liebe Schreiberlinge, es gibt reichlich Auswahl an passenden und schöneren Worten, wie z.B.: wieder einmal, ein weiteres Mal, schon wieder, mal wieder, erneut oder abermals. 

„Mehr“ ist ein unzählbares Mengenwort („mehr Wasser“, „mehr Geld“), man kann es nicht mit der Zahl eins malnehmen“, erklärt Bastian Sick in seiner Zwiebelfisch-Kolumne und gibt folgenden Beispielsatz:

Der Satz „Johannes wollte einmal mehr Geld verdienen“ ist nur dann richtig, wenn er bedeutet, daß Johannes eines Tages mehr Geld zu verdienen hoffte, nicht aber, daß er wieder einmal Geld verdienen wollte.

Mir fällt auch noch einer ein:

Nicht einmal mehr in anspruchsvolleren Texten ist man vor Sprachmüll sicher.
😉 😉