Kurz fassen und tief greifen…

Gerade gelesen: „Städtebund fordert tief greifende Reform des Sozialstaats“.

Aha. Ich habe dabei jemanden vor Augen, der tief in eine Tasche oder ähnliches greift (um z.B. Geld oder Geschenke herauszuholen). 😉 Eine Reform kann zwar tief eingreifen (z.B. in das Sprachgefühl, wie man an der sogenannten Rechtschreibreform sieht), aber gemeint ist wohl doch „tiefgreifend“ – nämlich im Sinne von profund, einschneidend .. Na, wir werden sehen, wer wann wem wohin wie tief greift.

Wenn da mal nicht mit der Rechtschreibung was schiefgegangen (und nicht schief gegangen) ist. Schief geht man, wenn man z.B. „Rücken hat“ oder sich zuviel auf den Buckel geladen hat.

Wie dumm, daß Rechtschreibung oft so abgrundtief schwerfällt (und nicht schwer fällt). Schwer fällt man, wenn man einen Abgrund übersieht…

Im Moment gibt es ja so einige, die zurücktreten oder entlassen werdenWer weiß, ob einige davon nicht mal zurück treten (hoffentlich nicht so schmerzhaft).

Es ist übel, wenn jemand zusammengeschlagen wird.. Dann doch lieber nur
zusammen schlagen, vielleicht die Trommel, nach einer Fliege oder beim Badminton.

Na, schwirrt schon der Kopf?

Man sollte sich zu diesem Thema mal zusammensetzen und nicht etwa nur zusammen
setzen, z.B. ins Theaterpublikum, in einen Ameisenhaufen oder beim Toto auf ein Pferd.

Ich glaube, die Frau war wohl behütet (hatte wohl einen Hut auf). Sie ist jedenfalls wohlbehütet und ohne Sorgen aufgewachsen.

Fertig bringen: Der Pizzaservice bringt die heißersehnte Pizza, die schon fertig ist und nicht mehr in den Ofen muß. Er bringt sie fertig. Sie hat es dann fertiggebracht, diese in nur 5 Minuten zu vertilgen. Sie war nämlich heiß ersehnt, aber leider nur lauwarm.

Kaputt reden: Ich bin kaputt von der Gartenarbeit und rede. Man kann sich aber auch kaputtreden, also den Mund fusselig reden (auch so eine aussterbende Redensart) 😉

Artikel, die im Internet erscheinen, werden meist kommentiert. Die meistkommentiertesten Artikel sind oft die interessantesten.

Manchmal muß man sich kurz fassen (weil man es nicht fassen kann), aber nun werde ich mich kurzfassen, schließe diesen Beitrag und mache irgendwann mit einem neuen weiter. Stoff gibt es ja genug.

🙂

 

 

 

 

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Im Irrgarten – Genitiv versus Dativ

Heutzutage hat ja der Dativ oft die Oberhand. Neulich las ich in einer Seminarbeschreibung ausgerechnet zum Thema „Fehler sind Chancen“ : … „die Folgen von einem destruktiven Fehlermanagement“ … Au weia. Heute flatterte mir nun ein Faltblatt (neudeutsch: „Flyer“) ins Haus und ich erkannte, daß manchmal auch der Genitiv gewinnt: „Sie finden uns gegenüber des Restaurants XYZ“ stand da.  Tja, deutsche Sprache, schwere Sprache, wer soll sich da noch auskennen? Bastian Sick nennt es in seiner Endlosreihe „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ den „Irrgarten der deutschen Sprache“ – ich bin bisher nur bis Band 3 gekommen, Band 4 liegt noch ungelesen im frisch aufgeräumten Bücherregal… Gerade habe ich gesehen, daß es mittlerweile schon sechs Bände gibt… 😉

Beitrag wurde gekürzt 🙂

 

 

 

Störtebekers Versteck

Die heutige Geburtstagstour führte zum Hemmelsdorfer See – der „Hermann-Löns-Blick“ lohnt sich auch bei bedecktem Wetter. Im See befindet sich die tiefste Stelle Deutschlands. Das Naturschutzgebiet drumherum strotzte nur so vor morbidem Charme… Störtebeker soll hier in der nahegelegenen Räuberkuhle seine Beute versteckt haben als der See noch Teil der Ostsee war. Diese Räuberkuhle haben wir natürlich auch aufgespürt. Wir waren nicht sicher, ob der Begriff nicht vielleicht unkorrekt ist – vielleicht müßte es jetzt Räuberinnen- und Räuberkuhle heißen oder gar RäuberInnenkuhle  😆 Oder gab es etwa nie weibliche Piraten? 😛

In Niendorf an der Hafenbar stand der Glühwein für die kommende Wintersaison schon dekorativ drapiert auf der Mauer bereit, auch der Erdbeerhof in Warnsdorf war sehenswert – ein echtes Konsum- und Verführparadies. Auf dem Rückweg folgte noch ein Abstecher nach Travemünde.

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Der Maulwurf

Die Maulwurfshügel im Vorgarten summieren sich aktuell auf fast 80.

Hinten und bei meiner Nachbarin ist kein einziger. Ich find’s lustig. Zudem kann man den Sand prima als Blumenerde und zum Sandstreuen bei Glätte verwenden. Man muß nur aufpassen, daß er nicht hartfriert 🙂

Zum Thema Maulwurf leiste ich auch noch einen kulturellen Beitrag – wieder mal von Wilhelm Busch. :-). Der Kerl hat ganz schön brutale Gedichte geschrieben.

Aus diesem Gedicht stammt übrigens auch der berühmte Spruch:

„Musik wird oft nicht schön gefunden,
Weil sie stets mit Geräusch verbunden“.

Nun zum Gedicht:

Der Maulwurf:

In seinem Garten freudevoll
Geht hier ein Gärtner namens Knoll.

Doch seine Freudigkeit vergeht,
Ein Maulwurf wühlt im Pflanzenbeet.

Schnell eilt er fort und holt die Hacke,
Daß er den schwarzen Wühler packe.

Jetzt ist vor allem an der Zeit
Die listige Verschwiegenheit.

Aha! Schon hebt sich was im Beet,
Und Knoll erhebt sein Jagdgerät.

Schwupp! Da – und Knoll verfehlt das Ziel.
Die Hacke trennt sich von dem Stiel.

Das Instrument ist schnell geheilt;
Ein Nagel wird hineingekeilt.

Und wieder steht er ernst und krumm
Und schaut nach keiner Seite um.

Klabumm! – So krieg die Schwerenot! –
Der Nachbar schießt die Spatzen tot.

Doch immerhin und einerlei!
Ein Flintenschuß ist schnell vorbei.

Schon wieder wühlt das Ungetier.
Wart! denkt sich Knoll. Jetzt kommen wir.

Er schwingt die Hacke voller Hast –
Radatsch! – O schöner Birnenast!

Die Hacke ärgert ihn doch sehr,
Drum holt er jetzt den Spaten her.

Nun, Alter, sei gescheit und weise
Und mache leise, leise, leise!

Schnarräng! – Da tönt ihm in das Ohr
Ein Bettelmusikantenchor.

Musik wird oft nicht schön gefunden,
Weil sie stets mit Geräusch verbunden.

Kaum ist’s vorbei mit dem Trara,
So ist der Wühler wieder da.

Schnupp! dringt die Schaufel wie der Blitz
Dem Maulwurf unter seinen Sitz.

Und mit Hurra in einem Bogen
Wird er herauf ans Licht gezogen.

Aujau! Man setzt sich in den Rechen
Voll spitzer Stacheln, welche stechen.

Und Knoll zieht für den Augenblick
Sich schmerzlich in sich selbst zurück.

Schon hat der Maulwurf sich derweil
Ein Loch gescharrt in Angst und Eil.

Doch Knoll, der sich emporgerafft,
Beraubt ihn seiner Lebenskraft.

Da liegt der schwarze Bösewicht
Und wühlte gern und kann doch nicht;
Denn hinderlich, wie überall,
Ist hier der eigne Todesfall.

Hier gibt es noch die Illustrationen zum Gedicht.

🙂

Update: Meine Nachbarin hat mir vor ein paar Tagen verraten, daß sie Teile des Grundstückes mit irgendwelchen speziellen Stoffbahnen, einer sog. Maulwurfsperre abgesichert hat, die den Maulwurf hindern, zu ihr aufs Grundstück zu kommen. Kein Wunder, daß die alle bei mir sind. :-).

Am Ende des Tages

Ich befinde mich gerade am Ende des Tages, d.h. mein Tagwerk ist beendet, es ist Abend und draußen ist dunkle Nacht.. Und mir fällt wieder ein Beispiel ein, das ich schon länger thematisieren wollte.

Haben Sie schon mal bemerkt, daß sich die Floskel „Am Ende des Tages“ seit einiger Zeit ungeheurer Beliebtheit erfreut? Beispiel: Was nützt  der günstigste Preis, wenn am Ende des Tages die Qualität entscheidet? Hier ist nicht das wirkliche Ende des Tages, der Abend, gemeint. „Weißt Du, was das soll?“, fragte mich neulich ein sprachinteressierter Zeitgenosse. Ja, habe ich gerade in „Die Phrasendrescher“ gelesen, antwortete ich. Ist Business-Deutsch, soll letztendlich, letzten Endes oder schließlich heißen, ist wieder mal eine wörtliche englische Übersetzung (von at the end of the  day), soll offenbar besonders schick klingen und ist in Manager- und  Wichtigtuerkreisen besonders beliebt..:-)

Markus Reiter schreibt in „Die Phrasendrescher“:

„Wir prüfen noch. Wir werden aber am Ende des Tages auf Sie zurückkommen“. Ich wartete den ganzen Abend vergeblich auf einen Anruf. Die Sonne war lange untergegangen, der Deutschlandfunk spielte die Nationalhymne, dann die Europahymne. Kein Anruf. Es war also nix mit „Am Ende des Tages“. Kein Wunder, denn „Am Ende des Tages“ meinte gar nicht den Abend, sondern ist eine direkte Übersetzung der Redewendung „At the end of the day“. Die steht für „letzlich“ oder „am Ende“. Wörtlich ins Deutsche übertragen, löst diese Redewendung Verwirrung aus. 

Hier noch ein paar Links zum Thema:

sprachen-blog.de/at-the-end-of-the-day-am-ende-des-tages/
scilogs.spektrum.de/sprachlog/am-ende-des-tages-neufassung/
www.zeit.de/2010/01/Managerreden

Das macht was mit dir

Gerade kam mir eine Online-Werbung für ein Wissensmagazin unter.
Unter einem Werbefilm prangt der Name des Magazins und darunter die Floskel
Das macht was mit Dir… “ Ah ja. Was denn?
Wenn man auf die Anzeige klickt, erhält man die Info:

Starte jetzt dein xx-Abo mit einer Gratis-Ausgabe – danach jederzeit kündbar!

Aha. Jetzt weiß ich, was das mit einem macht: Nach Erhalt der Gratisausgabe vergißt man garantiert die Kündigung und hat ein Abo an der Backe, das man nicht braucht.
🙂

Was macht das mit Dir? oder auch „Wie geht es Dir damit?“ Diese Art Floskel gehört zu einem besonderen Jargon, den ich Psychojargon oder auch Gouvernantensprache getauft habe. Weitere Beispiele folgen in loser Folge, ich freue mich schon :-).